Gefährdung und Schutz

Gefährdung

Löss, unser wertvollstes Ausgangsgestein für einen ertragreichen Ackerbau, ist vor allem durch intensive Bodennutzung und starken Flächenverbrauch gefährdet. Dadurch vernichten wir Zug um Zug und Jahr für Jahr die wichtigste Ressource unserer Ernährung.

In einem kalt-trockenen Klima, wie wir es noch in den innerasiatischen Steppen und Halbwüsten sowie in den Tundren Nordamerikas und Sibiriens finden, wurde Löss abgelagert. Heute herrscht in vielen Lössgebieten ein anderes Klima. So überwiegt in Mitteleuropa ein ozeanisches Klima mit sommergrünen Laubwäldern. Erst im östlichen und südöstlichen Mitteleuropa und in Osteuropa nimmt der kontinentale Klimaeinfluss mit trockenen Sommern, kalten Wintern und Steppenbedingungen zu. Ozeanisches Klima fördert die Entkalkung, Verbraunung und Verlehmung des Lösses. Die Bedingungen für eine Humusanreicherung durch stabile Huminstoffe und für die Einmischung des Humus durch grabende Bodentiere der Steppe wie Feldhamster und Ziesel verschwinden nach und nach. Bodenbearbeitung, mangelhafte Humuswirtschaft und Schwarzbrache setzen dem Löss und seinen Bodenbildungen zu.

Der Humusgehalt sinkt, die Stabilität der Bodenaggregate nimmt ab, Ton und Humuspartikel werden verlagert. Die Böden neigen zur Verschlämmung und in Hanglagen zur Erosion. Regentropfen zerschlagen die Bodenaggregate an der Bodenoberfläche und das verschlämmte Bodenmaterial kann leicht durch Wasser von den Hängen abgeschwemmt (erodiert) werden.

Verschlämmung eines stark durchfeuchteten Lössbodens im Rheinland bei Köln.- © U. Koch, Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen

Akkumulation von Bodenmaterial durch Erosion vom Hang an den Hangfuß im Rheinland.- © Geologischer Dienst NRW

Auf diese Weise entstehen durch Ackernutzung in hügeligen Lösslandschaften geringmächtige Lössdecken am Oberhang und an den Hangschultern mit kalkhaltigen Pararendzinen und mächtige kolluviale Decken aus umgelagertem Löss in den Mulden und Tallagen mit ertragsstarken Kolluvisolen.

Böden aus Löss in der Jülicher Börde, Rheinland. An den steileren Talhängen sind die erosionsgefährdeten Pararendzinen aus karbontareichem Löss anhand des lichteren Bewuchses deutlich zu erkennen. Im Vordergrund ein Bachtal mit Kolluvisolen. © F. Richter, Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen

Weil die Bodenaggregate durch niedrige Humusgehalte verdichtungsempfindlicher und instabiler geworden sind, entstehen beim Befahren des feuchten Bodens tiefe Fahrspuren. Durch das Befahren, vor allem mit schweren Erntemaschinen, wird der Boden zusätzlich verdichtet.

Fahrspuren in einer mit Lössmaterial rekultivierten Sandgrube in der Niederheinischen Bucht  mit oberflächennaher Verdichtung und Staunässe.- © A. Dickhof, Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen

Lössgebiete sind seit Jahrtausenden besiedelt. Vor allem heute stellen sie bevorzugte Siedlungsräume mit einem hohen Flächenverbrauch für Wohngebiete, Gewerbegebiete mit flächenzehrendem eingeschossigem Hallenbau und Verkehrswegen dar. Noch immer fehlt ein wirksames Konzept, um den Flächenverbrauch auf wertvollen Böden effektiv einzuschränken.

Bodenversiegelung und Bodenverbrauch durch die Autobahn A 44 westlich Düsseldorf.- © S. Schulte-Kellinghaus, Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen

Schutz

Bodenversiegelung und -verbrauch werden vor allem durch aktuelle ökonomische Kriterien gesteuert. Auf eine vorausschauende, ganzheitliche Bewertung der Ressource Boden und ihrer Funktionen für eine intakte Umwelt und eine gesicherte landwirtschaftliche Produktion wird bis heute weitgehend verzichtet. Das ist kein zukunftsfähiger Ansatz zum Schutz unserer Böden. In Zukunft sollten Ertragsfähigkeit, Klimastabilität sowie Filter- und Speicherkapazität der Böden wesentliche Kriterien für den vorsorgenden Bodenschutz darstellen und entsprechend in der Raumplanung berücksichtigt werden.

Die landwirtschaftliche Bodennutzung ist langfristig nur erfolgreich und tragbar, wenn sie auf die spezifischen Eigenschaften der Böden Rücksicht nimmt. Bei Lössböden bedeutet das:

  • rücksichtsvolle und minimale Bodenbearbeitung bei richtiger Bodenfeuchte,
  • vorsorgende Humuswirtschaft mit standortgemäßen Humusgehalten (über 3 Prozent) zur Erhaltung einer stabilen Bodenstruktur,
  • ausgewogene und abwechslungsreiche Fruchtfolge, auch mit Tiefwurzlern und Leguminosen,
  • Vermeidung von Schwarzbrachen,
  • Reduzierung der Bodenauflasten durch Maschinen zur Vermeidung von Bodenverdichtungen (Hinweise) unter Berücksichtigung der Belastbarkeit der Böden (Lössböden sind verdichtungsempfindlich, Sandböden eher nicht) sowie
  • regelmäßige Erhaltungskalkung, auch zur Verbesserung der Bodenstruktur.

Erosionsschutz bedeutet:

  • die Erhaltung eines guten Bodenzustands durch eine ausgewogene Humuswirtschaft und Erhaltungskalkungen,
  • hangparallele Bodenbearbeitung und Pflanzreihen,
  • Gründüngung zwischen Ernte und Aussaat sowie über den Winter,
  • Ausschluss extrem erosionsgefährdeter Bereiche,
  • strukturreiche Ackerfluren mit Hecken, Waldinseln und Baumreihen,
  • Sicherungsmaßnahmen zum Schutz der Ackerflächen vor Überflutung durch Starkregen und
  • Berücksichtigung der Erosionsneigung der unterschiedlichen Böden, da Lösse verschlämmungs- und erosionsgefährdet sind.

Ausgeräumte Lösslandschaft der Warburger Börde mit einem Mosaik aus Pararendzinen, Parabraunerden mit Schwarzerderelikten und Kolluvisolen in den Senken.- © H.J. Betzer, Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen