Lössböden

Lösse und Lössderivate können als Eltern einer ganzen Bodenfamilie verstanden werden, die im Laufe einiger Jahrtausende als Entwicklungsreihe aus Löss entsteht, deren einzelne Böden aber auch in Landschaften nebeneinander vorkommen können.

Lösse werden windsortiert und dabei weitgehend gleichkörnig abgelagert. Das bedeutet, dass eine Körnungsfraktion gegenüber anderen deutlich überwiegt. Im Löss ist das der Grobschluff mit Äquivalentdurchmessern zwischen 20 und 60 Mikrometern. Lösse und ihre Abkömmlinge, wie Lösslehm, Sandstreifenlöss und umgelagerte Lösse, sind meist locker gelagert. Wasser speichernde Mittelporen überwiegen. Kalk ist in der Bodenmatrix fein verteilt und die Verwitterung kann vergleichsweise rasch voranschreiten.

Lösswand mit zwei übereiander liegenden Schwarzerden, Rumänien.- © U. Koch, Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen

 

Eine typische Bodenentwicklungsreihe aus Löss im Verlauf von einigen tausend Jahren beinhaltet folgende Böden: Pararendzina  -> örtlich Schwarzerde (-> Braunerde) -> Parabraunerde -> Pseudogley (Stauwasserboden) sowie in Senken und Tallagen Kolluvisol und Gley (Grundwasserboden).

Zu Beginn dieser Bodenfolge dominiert die Akkumulation von Humus durch Zersetzung der anfallenden Streu. Über dem noch kalkhaltigen, lockeren Ausgangsgestein entsteht ein humoser, meist noch kalkhaltiger, hoch belebter Oberboden mit Krümelgefüge, der Ax-Horizont. Ax-Horizonte über mergeligen Ausgangsgesteinen führen zum Bodentyp ‚Pararendzina‘. Pararendzinen sind in Lössgebieten an erosionsbeeinflussten Kuppen, Hängen und Hangkanten verbreitet. Bei der Rekultivierung von Abgrabungen mit Lössmaterial entwickeln sie sich sowohl unter forstlicher als auch unter landwirtschaftlicher Nutzung rasch.

Lössverkippung zur landwirtschaftlichen Rekultivierung mit einem Großgerät, Tagebau Fortuna im Rheinischen Braunkohlenrevier.- © RWE Power, Essen

In Regenschattengebieten wie dem Mainzer Becken, der Hessischen Senke oder dem Thüringer Becken fehlen für eine rasche Entkalkung ausreichende Niederschläge. Hier ist der Anteil an Pararendzinen höher. Wo in diesen Lagen über längere Zeiträume ein Steppenklima vorgeherrscht oder der Mensch durch Ackernutzung für eine Kultursteppe gesorgt hat, haben sich die Ax-Horizonte durch die mischende Wirkung der Bodentiere nach und nach über 4 bis zu 10 Dezimeter vertieft. Diese mächtigen, dunkelgrauen bis schwarzen Humushorizonte mit Schwamm- und Krümelgefüge sind sozusagen das Markenzeichen der Tschernoseme oder Schwarzerden, die als fruchtbarste Böden Mitteleuropas gelten.

Im heutigen Klima kommt in Deutschland keine Steppe mehr vor: Überall würde Wald wachsen, wenn der Mensch dies zuließe. Die mächtigen Ax-Horizonte sind Relikte vergangener Klimaphasen sowie damaliger Pflanzen- und Tiergesellschaften.

Im atlantisch bis subkontinental eher feuchten Klimabereich werden die Lösssedimente im Verlauf einiger Jahrtausende entkalkt, der gelbe Löss verbraunt durch die Bildung neuer Eisenoxide und verlehmt durch neue Tonminerale. Wanderungsfähige Ton- und Humusteilchen wandern allmählich tiefer und lassen die diagnostischen Horizonte der Parabraunerde entstehen: einen Tonverarmungshorizont ‚El‘ und einen Tonanreicherungshorizont ‚Kt‘.

Unter langanhaltend günstigen Bedingungen für die Tonverlagerung wird der Ton- und Humusverarmungsbereich immer fahler und der Tongehalt im Toneinwaschungsbereich immer tonreicher und brauner. Vor allem östlich der Elbe entwickeln sich im Löss auf diese Weise Fahlerden.

Allmählich werden die Zwischenräume der Bodenaggregate mit dem verlagerten Ton verstopft und das Sickerwasser wird zunehmend gestaut. Aus der Parabraun- und der Fahlerde entwickelt sich ein Stauwasserboden, der Pseudogley.

Auch in Senken und Tallagen wurde in der letzten Kaltzeit Löss abgelagert. Hier haben sich die Hohlräume zwischen den Lösspartikeln mit Grundwasser gefüllt. Häufig enthält das Grundwasser aus der Lössdecke gelösten Kalk, der im Kapillarsaum des Grundwassers wieder ausgefällt wird. Kalkhaltige Grundwasserböden (Kalkgleye) entstehen.

Auch in Senken und Tallagen wurde in der letzten Kaltzeit Löss abgelagert. Hier füllen sich die Hohlräume zwischen den Lösspartikeln mit Grundwasser. Häufig enthält das Grundwasser aus der Lössdecke gelösten Kalk, der im Kapillarsaum des Grundwassers wieder ausgefällt wird. Kalkhaltige Grundwasserböden, Kalkgleye, entstehen.