Parabraunerde aus Löss

Parabraunerden aus Löss können sich im mitteleuropäischen Klimaraum rasch entwickeln, d. h. innerhalb weniger Jahrtausende. Nachdem der Löss mit seiner gleichmäßigen Verteilung von kleinsten Kalkbruchstückchen entkalkt wurde, setzt die Bildung von Eisenoxiden (Verbraunung) und Tonmineralen (Verlehmung) ein. Die allmähliche Versauerung und Calciumarmut fördert die Verlagerungsfähigkeit feinster Tonteilchen. Vor allem wenn nach Trockenphasen Starkregen einsetzt, werden Tonteilchen in den groben Bodenporen nach unten mitgerissen und bei Verlangsamung des Sickerwasserstroms sowie höheren Calcitgehalten an den Porenwänden als weiche Tontapeten wieder abgelagert. Es entsteht ein an Eisen und Ton verarmter, aufgehellter Bodenbereich über einem braunen bis rötlich braunen Bodenbereich mit erhöhten Gehalten an Eisenoxiden und Tonteilchen, häufig auch feinsten Humuspartikeln.

Beispiel für eine gut entwickelte Parabraunerde: An der Steilküste der Insel Fehmarn hat die Ostsee eiszeitliche Ablagerungen der jüngsten Kaltzeit freigelegt. Aus Geschiebemergel hat sich eine Parabraunerde entwickelt. Ton und feine Humusteilchen wurden verlagert und haben einen kräftig braunen lehmigen Bodenhorizont unter einem tonarmen verfahlten Bereich entwickelt.- G. Milbert, Kuratorium Boden des Jahres

Pseudogley-Parabraunerde aus Löss über Sandlöss.
Tiefreichend humose Lössböden sind im nördlichen Wiehengebirgsvorland typisch. Die Humosität ist wahrscheinlich auf mittelalterliche Wölbackerkultur zurückzuführen. © A. Deppe, Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen

Parabraunerden sind für landwirtschaftliche und gärtnerische Kulturen bestens geeignet. Sie können in bis 1 Meter Bodentiefe über 180 Liter für die Kulturen nutzbares Wasser speichern und weisen eine ausreichende Durchlüftung für das Wurzelwachstum auf.

Sie sind vor allem bei niedrigen Humusgehalten in der Ackerkrume verdichtungs-, verschlämmungs- und erosionsgefährdet. Bereits bei sehr geringen Hangneigungen muss durch geeignete pflanzenbauliche und humusfördernde Bewirtschaftung Bodenerosion verhindert werden. Die Bodenschätzung stuft Parabraunerde aus Löss als ‚L 2 Lö‘ mit über 80 Bodenpunkten und Ackerzahlen über 90 ein.

Bodenerosion im Maisanbau – bereits geringe Hangneigungen führen bei humusarmen Ackerkrumen mit instabiler Bodenstruktur und fehlender Bodenbedeckung zur Bodenerosion. © Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen