Mein Charakter

ist kantig und unstet, er richtet sich nach dem Wetter und sogar nach dem Klima.

Bereits oberhalb von 30 cm Bodentiefe bestehe ich aus aus Ton, schwach sandigem Ton, lehmigem Ton oder schwach schluffigem Ton.

Ton ist die kleinste Korngrößengruppe, die wir in Böden finden und hat meist die Form ultradünner feinster Blättchen, die häufig stapelartig aneinander kleben. Der Tongehalt ist die Ursache meines  ganz besonderen Charakters. Ich kann quellen und schrumpfen, halte das Bodenwasser besonders fest und kann viele Nährstoffe speichern.

In feuchtem Zustand quelle ich auf, bin plastisch und gut knetbar.

Feuchter, gut knetbarer Ton eines Pelsosols mit einem Regenwurm auf der Flucht.
© Bayerisches Landesamt für Umwelt / Reinhard Jochum

In trockenem Zustand schrumpfe ich und bilde tiefreichende Schrumpfrisse. Dabei entstehen kantige Bodenaggregate, die etwa gleich lang und breit sind: Polyeder. Häufig entstehen auch Bodenaggregate die zu Tiefe hin ausgerichtet sind und mehrfach länger als breit sind: Prismen.

Ich trockne im Sommer langsam aus. Schrumpfrisse gliedern mich allmählich  in längliche Prismen. Diese lassen sich in zahlreiche vielflächige Polyeder unterteilen. ©  Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau , Abteilung 9 im Regierungspräsidium Freiburg

In Naturräumen mit regelmässig trockenen Sommern bilde ich bis zu 1 m tiefe Schrumpfrisse, in die lockeres humoses Oberbodenmaterial hineinrieselt. Im Herbst und Winter quelle ich und knete den dunkelgrauen Oberboden in meine Bodenmasse ein. So färbe ich mich im Verlauf der Zeit dunkelgrau bis fast schwarz und werde tiefreichend humushaltig.

Während ich quelle und schrumpfe gleiten die Prismen und Polyder aneinander vorbei und bilden glatte glänzende Scherflächen, die international ’slickensides‘ genannt werden.

Glänzende Scherflächen zwischen Prismen und zwischen Polyedern sind eines meiner Markenzeichen.
© Bayerisches Landesamt für Umwelt / Reinhard Jochum