Pelosol-Systematik

Pelosole gehören zur Unterabteilung ‚aerobe mineralische Böden‘. Sie bilden eine eigene Bodenklasse. Die maßgeblichen bodenbildenden Prozesse sind:

  • die Aufweichung des Ausgangsmaterials
  • Entkalkung mergeliger Ausgangsgesteine
  • die Anlagerung und Einlagerung von Wasser um und in mehrschichtige Tonminerale
  • die Gefüge-Bildung, insbesondere die Bildung von Absonderungsgefüge in Form von Polyerdern und Prismen durch Quellungs- und Schrumpfungsprozesse
  • die Bildung glänzender Scherflächen zwischen die Bodenaggregaten (slickensides)
  • die Bildung von tiefreichenden Trockenrissen
  • in Naturräumen mit regelmäßig trockenen Sommern das Hineinrieseln von humosem Bodenmaterial des Oberbodens in die Trockenrisse und die intensive Einarbeitung in die Bodenmatrix (Humuspelosol, Smonitza)

Durch diese spezifischen bodenbildenden Prozesse entsteht der diagnostische Horizont des Bodentyps Pelosol, der Pv-Horizont.

Detailfoto eines Pv-Horizontes mit Polyedern sowie vertikalen und horizontalen Trockenrissen – © Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Regierungspräsidium Freiburg

Der Pv-Horizont ist ein mineralischer Unterbodenhorizont aus primär tonigem, tonmergeligem oder tonig verwitterndem Ausgangsgestein (ausgenommen Residualbildung aus Kalk- und Dolomitgesteinsverwitterung); mit markantem Sekundärgefüge (Prismen, Polyeder), häufig mit glänzenden Scherflächen (slickensides), mit Trockenrissen im Schrumpfungsstadium, meist hochplastisch [P von pelos, Schlamm].

  1. aus primär tonigem, tonmergeligem oder tonig verwitterndem Ausgangsgestein entstanden (ausgenommen Residualbildung aus Kalk- und Dolomitgesteinsverwitterung) und
  2. Tongehalt in reinen P-Horizonten ≥ 45 Masse-%, in Übergangs-P-Horizonten ≥ 35 Masse-% und
  3. ausgeprägtes Prismen- oder Polyedergefüge, kein Gesteinsgefüge mehr und
  4. ausgeprägte Quellungs- und Schrumpfungsdynamik, im Jahresverlauf Trockenrisse

Glänzende Scherflächen – slickensides – an der Oberfläche eines Polyeders im Pv-Horizont. © Bayerisches  Landesamt für Umwelt / Reinhard Jochum

Hinweis: Geringere Tongehalte kommen in Übergangs-P-Horizonten z. B. infolge von Lössbeimischung vor.

Pelosole  sind wenig entwickelte Böden. Sie besitzen zwar einen humosen Oberboden (A-Horizonte) und haben ein neues Bodengefüge aufgebaut. Weitere bodenbildende Prozesse wie die Bildung neuer Tonminerale, ausgeprägte Verbraunung durch Bildung neuer Eisenoxide, deutliche Tonverlagerung, Podsolierung oder deutliche hydromorphe Merkmale haben Pelosole noch nicht ausgebildet.

Stellung der Pelosole in der Unterabteilung aerobe mineralische Böden
(Arbeitsgruppe Bodensystematik
der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft)

Pelosole bilden Übergangsböden zu den wenig entwickelten Rankern und Pararendzinen sowie zu weiter entwickelten Braunerden, Parabraunerden, Pseudogleyen und Gleyen. Pelsole können sich auch aus Auenablagerungen, Kolluvisolen und aus vulkanischem Ausgangsmaterial entwickeln.

Häufig bilden Pelosole Übergangsböden zu anderen Bodenklassen wie Braunerden oder Pararendzinen. Entweder sind die Pelosole dann von einer tonärmeren Schicht überlagert oder die weiteren Bodenmerkmale führen zu Übergangshorizonten wie Pv-Bv oder elCv-Pv.