Marschboden

Küsten- und Gezeitensedimente als Archive der Landschaftsgeschichte

Marschböden entsteht dort, wo Meer oder Tidegebiete infolge von Sedimentation und späterer Eindeichung oder Entwässerung in festen Boden übergehen: zum Beispiel entlang der Nordseeküste oder in Flussmündungsgebieten. Ihre Schichten erzählen von der Dynamik zwischen Meer und Land über Jahrhunderte hinweg.

Ein zentraler Aspekt ihrer Entstehung ist die aktive Mitgestaltung durch den Menschen: Erst durch systematische Eindeichung, Wasserregulierung und Landgewinnungsmaßnahmen wurden viele Marschflächen dauerhaft trockengelegt und damit landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Diese Eingriffe veränderten die natürlichen Sedimentationsprozesse und sind im Bodenprofil bis heute nachvollziehbar, etwa durch veränderte Ablagerungsmuster, Schichtunterbrechungen oder den Übergang von marinen zu anthropogen geprägten Horizonten.

Als Archive speichern Marschböden daher nicht nur Hinweise auf frühere Meeres- und Gezeitenverhältnisse, Überschwemmungen, Sedimentaufspülungen und Meeresspiegelveränderungen, sondern auch deutliche Spuren menschlicher Gestaltung:

  • den Wandel von Wattflächen zu Kulturland,
  • Veränderungen der Vegetationsabfolge,
  • historische Küstenschutzmaßnahmen,
  • die Entwicklung der Siedlungs- und Wirtschaftsstrukturen im Deichhinterland.