Gefährdung & Schutz

Gefährdung

Böden mit Archivfunktion sind sehr vielfältig. Wir unterscheiden auf der einen Seite Böden, die selbst durch Natur- oder Kultureinflüsse gestaltet und beeinflusst werden. Hierzu gehören Paläoböden, Moore, Plaggenesche, Hortisole und viele weitere Böden. Auf der anderen Seite können Böden Archive für Natur- oder Kulturgüter sein, die von Böden überdeckt werden oder die in Böden eingebettet sind und damit geschützt werden. Böden überdecken häufig archäologische Fundstücke wie antike und prähistorische Grabanlagen, Siedlungsplätze oder sogar ganz Städte wie in Xanten am Unteren Niederrhein. In anderen Fällen sind besondere Rohstoffe in Böden eingebettet oder Böden überdecken und schützen diese. Beispiele sind Torfe als energetischer Rohstoff, Ton für die Ziegel- und Steingutherstellung, Eisenanreicherungen, Kalkanreicherungen oder Sande und Kiese für die Betonherstellung. Damit sind auch die Gefährdungen von Archivböden sehr vielfältig. Im Folgenden sind Beispiele aufgelistet:

  • Abschieben von Böden zur Rohstoffnutzung,
  • Entfernen von hoch belebten Auenböden zur Umgestaltung von Bächen und Flüssen,
  • Zerstörung von Böden durch Versiegelung und Flächenverbrauch,
  • Entwässerung von grund- und stauwasserbeeinflussten Böden und vor allem Mooren,
  • Bodennutzungen, die Archivfunktionen der Böden beeinträchtigen, wie zum Beispiel die Torfbildung bei der landwirtschaftlichen Nutzung von Mooren,
  • die Zerstörung von achäologischen Materialien durch Bodenbearbeitung
  • Unterbinden von Stoffkreisläufen, die für die Humusbildung wesentlich sind (weitgehender Export der Biomasse),
  • Störung des Bodenlebens durch Bodenverdichtung und Stoffeinträge

Schutz der Archivböden
Alle Böden archivieren natur- und kulturgeschichtliche Einflüsse. In der folgenden Liste sind Nutzungen, Bodengruppen, Böden und Substrate zusammengefasst, die aus Sicht der Bodenschutzverwaltungen der Bundesländer die Funktion des Boden als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte im besonderen Maße erfüllen. Dabei werden nicht nur Böden aus schutzwürdig dargestellt, sondern auch Ausgangsgesteine und Böden aufgrund ihrer regionalen Seltenheit, besonders Nutzungsformen, herausragende Ausprägungen von Bodenentwicklungen wie mächtige Podsolierungen, extreme trockene oder nasse Bodenbildungen und auch  Bodendauerbeobachtungsflächen oder Flächen mit hoher geowissenschaftlicher Bedeutung.

  • Regional sehr seltenes Ausgangsmaterial (Geotope)
  • Böden mit besonderer regionaler Seltenheit
  • besonders typische Bodenentwicklungen
  • außergewöhnliche Bodenbildungsprozesse
  • prägnante Merkmale reliktischer Bodenentwicklung
  • Bodendenkmal oder Naturdenkmal
  • Böden mit besonderer naturgeschichtlicher Prägung
  • Standorte für Langzeitmonitoring von Böden
  • Grabungsschutzgebiete und Fossilfundstellen
  • Natürliche Trockenstandorte
  • Feucht- und Nasswiesenstandorte
  • Böden alter historischer Waldstandorte
  • Heiden und Sandrasen
  • Glaziale und periglaziale Bodenbildungen und Landschaftsformen, Frostmusterböden
  • Böden mit besonderer wissenschaftlicher Bedeutung
  • Böden mit hohem erdgeschichtlichem Wert
  • Böden mit Zeit- und Klimamarken des Holozäns
  • Böden mit hohem landeskundlichem Wert
  • Moore (Naturnähe), Böden mit rezenter Torf- oder Muddebildung
  • Auenböden und Kolluvisole
  • Tiefumbruchböden
  • Extreme Podsolierungen
  • Böden der Altwasserläufe
  • Böden mit Raseneisensteinbildungen
  • Fuchserden (Seltenheit)
  • Ockererde / Ockerrheosol
  • Andosole (vulkanisches Ausgangsmaterial)
  • Vertisole, Pelosole, Humuspelosole (Seltenheit)
  • Finowboden (Seltenheit)
  • Salzböden (Seltenheit)
  • Schwarzerden (Seltenheit)
  • Böden aus Mudden
  • Marschhufenbeete
  • Böden der Dünen
  • Böden der Uferbereiche
  • Böden aus Quell- und Sinterkalken
  • Böden aus Kalkmudden oder Wiesenmergel
  • Fels- und Blockschuttböden, Organosole
  • Rohböden aus jungen Flusssedimenten
  • Terra fusca, Terra rossa
  • Hortisole, Plaggenesche, weitere Kultosole
  • Quellengleye
  • Kalkanmoorgley
  • Intensiv stauvernässte Böden wie Stagnogleye und Moorstagnogleye
  • Wölbäcker, Ackerterrassen, Rabatte
  • Wallgräben, historischer Bergbau, historische Weinbergterrassen
  • historische Verteidigungsanlagen, historische Siedlungsflächen, alte Grabstellen
  • historisch dokumentierte Kolluvien, historische Steinbrüche
  • Stadtböden, Burgböden, Klosterböden
  • Rohböden wie Syroseme, Skelett- und Felshumusböden

Torfabbau in einem Erdhochmoor in Südwestniedersachsen im Jahr 2014. Zur Herstellung von Pflanzsubstraten im Garten- und Gemüseanbau werden heute überwiegend Torfe aus Polen und dem Baltikum abgebaut. Foto: G. Milbert, Kuratorium Boden des Jahres.

Im Bundesbodenschutzgesetz und den Bodenschutzgesetzen und -verordnungen der Länder sowie in den Bodenschutzkonzepten der Geologischen Dienste spielt die Archivfunktion der Böden eine Rolle. Böden, die im besonderen Maße ein Archiv der Natur- oder Kulturgeschichte darstellen, werden als Begleitböden in Bodenkarten mit mittlerem Maßstab (1 : 25.000 bis 1.50.000) beschrieben oder in großmaßstäbigen Karten (1 : 5.000 und größer) als schutzwürdige Böden mit einer Kartiereinheit oder durch eine Signatur abgegrenzt und konkrt dargestellt. Es wird dabei nicht unterschieden, ob der Boden schutzwürdige Güter der Natur- oder Kulturgeschichte bedeckt/umhüllt oder ob der Boden selbst als Archiv schutzwürdig ist. Der weitgehenste Schutz ist die Anerkennung als Bodendenkmal oder Naturdenkmal für Kleinflächen nach Bodenuntersuchungen/Gutachten.

Auszug aus der digitalen Bodenkarte 1 : 5.000 NRW, Auswertung zur Schutzwürdigkeit von Böden, Auswertungsbeispiel aus dem Münsterland. © Geologischer Dienst NRW

Angepasste,  behutsame und Rücksicht nehmende Bodennutzungsformen wären in vielen Fällen bereits ausreichend, werden aber nicht so konsequent angewandt wie im klassischen Naturschutz/Vertragsnaturschutz. Hier besteht noch hoher Handlungsbedarf. Auf vielen archäologisch wertvollen Flächen sollte der Grundwasserstand nicht abgesenkt werden, dies ist jedoch großflächig üblich. Torfe und archäologisch wichtige Bodenbestandteile werden dann zersetzt. Je geringer die Bodenbearbeitungstiefe ist, umso mehr werden Böden mit Archivfunktion geschohnt. Konkrete Schutzmaßnahmen im klassischen Naturschutz und im Bodenschutz konkurrieren miteinander, z.B. wenn in schutzwürdigen Böden eingegriffen wird, um Biotopmanagementmaßnahmen umzusetzen. Dabei wird übersehen, dass Bodenschutz ein wesentlicher Bestandteil des Naturschutzes ist und bei konkurrierenden Schutzzielen sorgsam abgewägt werden sollte.