Spargelböden
Spargelböden werden regelmäßig tief bearbeitet. Auf diese Weise entsteht ein bis ca. 70 cm Bodentiefe gleichmäßig humushaltiger Boden. Vor allen in Landschaften mit Sanddecken sind Spargelböden in Deutschland verbreitet.
Historische Weinbergslagen
Vor allem Weinbergslagen in Steillagen sind schwer zu bewirtschaften und werden zum Teil aufgegeben. In allen Weinbaugebieten entlang der Flüsse Nahe, Glan, Main, Neckar, Rhein, Mosel, Ruwer, Saar, Ahr, Saale, Unstrut und Elbe finden sich zahlreiche historische Weinbergsterrassen in Steillage, die nicht mehr genutzt werden. Häufig stehen diese im Wechsel mit bewirtschafteten Weinbergsterrassen. Ungenutzte Weinbergsterrassen verbuschen. Wegen ihres besonderen Klimas an Steilhängen entwickelt sich eine besondere Fauna und Flora mit kontinentalen und mediteranen Einflüssen. Auch die Trockenmauern der Terrassen bieten zahlreichen Tieren Unterschlupf.
Weinbergsböden sind in der Regel bis ca. 80 cm durchmischt. Wenn die Rebstöcke ersetzt werden, etwa alle 25 – 40 Jahre werden die Böden der Weinterrassen seit Jahrhunderten regelmässig tiefreichend durchmischt und mit Kompost, Asche und organischen Hausabfällen durchsetzt, um den Wasserhaushalt und den Nährstoffhaushalt zu verbessern. Regelmäßig tief durchmischte Böden werden Rigosol genannt. Sie erzählen ihre häufig jahrhundertelange Weinbergsgeschichte auch wenn der Weinbau bereits aufgegeben wurde.
Wölbäcker
Durch das Pflügen mit dem Beetpflug entstehen ‚Ackerberge‘ oder Wölbäcker, da der Pflug Bodenmaterial zur Mitte eines 12 – 20 m breiten langen Streifens anhäuft. Unter Wald bleiben Wölbacker als Zeugnisse einer früheren Bodenbearbeitungstechnik erhalten.
Rabatten
Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden von Hand schmale Gräben ausgehoben und der Aushub in Streifen abgelegt. Auf diese Weise entstanden Rabatten, die während der Vegetationszeit oberhalb des Grundwasserspiegels liegen und für viele Laubbaumarten günstige Verhältnisse bieten. Die Rabatten wurden in Reihe bepflanzt. Aus Sumpfgebieten entwickelten sich Laubwaldstandorte für die Forstwirtschaft.
Burgböden
Am Rand von Burgen und entlang der Stadtmauern mittelalterlicher Städte haben sich Burgböden entwickelt. Sie enthalten Mauerreste, Hausmüll, Knochenreste und zahlreiche weitere Artefakte. Meist sind diese Böden humusreich und fruchtbar. Häufig werden sie heute gartenbaulich genutzt.
Lehmkuhlen
Bis ins 19. Jahrhundert war es üblich, zum Bau von Bauernhöfen unmittelbar vor Ort durch Wanderarbeiter Lehm abzugraben, in Handarbeit zu Ziegeln zu formen, an der Luft zu trocknen und anschließend in Meilern zu brennen. In Hofnähe entstanden z.T. großflächige Lehmgruben, die bis heute erhalten sind. Durch Tieferlegen der Bodenoberfläche bis zum Grundwasserspiegel entwickelten sich neue Grundwasserböden, die häufig durch spätere Grundwasserabsenkungen belüftet wurden. Sie sind Zeugnisse mehrfacher kulturgeschichtlicher Eingriffe.
Archivböden – Bodenarchive
Nahe der Ortschaft Kalkriese nördlich von Osnabrück wurde eine Bodendecke aus Plaggeneschböden abgetragen, um den darunter begrabenen Boden freizulegen. Dieser Boden ist das Archiv einer Schlacht zwischen Römern und Germanen im Jahr 9 nach Christus. Zahlreiche Fundstücke konnten geborgen werden und sind im Römermuseum Kalkriese ausgestellt.
Hügelgräber
Im Nationalpark Maasdünen sind zu Dünen aufgewehte Flugsande verbreitet. In dieser Dünenlandschaft werden Heiden als kulturhistorische Nutzungsform erhalten. In der uralten Kulturlandschaft sind Hügelgräber eingebettet. Auf dem Foto ist ein besonders großes Hügelgrab, das Vorstengraf (Fürstengrab) bei Arcen zu sehen. Der zu einem Hügel aufgehäufte Flugsand unterliegt der gleichen Bodenentwicklung wie die umgebenden Heideflächen und ist deutlich podsoliert. In manchen Jahren dominiert die Blüte des Kleinen Ampfers von Mai bis August und hüllt die hügelige Landschaft in ein kräftiges Rot.
Hohlwege
Hohlwege haben sich als Folge langer Befahrung ohne festen Wegbelag tief ins Gelände eingeschnitten. Neue Böden sind an den seitlichen Böschungen entstanden. Häufig sind Hohlwege Transportbahnen für erodiertes Bodenmaterial und beschleunigen die Abfuhr des breiigen Bodenmaterials ins Tal erheblich.
Ackerterrassen
Im Bergland wurden häufig meist schmale und langgezoene Ackerterrassen angelegt, um Hanglagen landwirtschaftlich nutzen zu können. Hangaufwärts entstanden auf den terrassierten Flächen flachgründige Böden mit einer Ackerkrume über einer Schuttdecke. An der Böschungskante entwickelten sich tiefgründigere Böden. Die Böschungen waren meist verbuscht oder trugen Waldbaumarten. Diese kleingliedrige Kultulandschaft ist wegen ihrer Artenvielfalt wertvoll. Heute werden die Ackerterrassen nicht mehr landwirtschftlich genutzt und verbuschen.
Bergbau – Bergehalden
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde neben der Zeche Zollverein in Essen eine Halde aus Nebengesteinen des Steinkohlenbergbaus aufgeschüttet. Das Bergematerial enthält neben taubem (kohlefreiem) Gestein auch Steinkohle und Pyrit, der bei der Verwitterung Säure freisetzt. Der Boden besitzt eine ca. 15 cm mächtige Decklage aus Kokereiasche, die den Boden wie eine Humusauflage nach oben abschließt. Berghalden sind im Ruhrgebeit wichtige menschengemachte Landschaftelemente und Zeugnisse der Industriegeschichte.
Stadböden
Stadtböden besitzen eine große Vielfalt an Substraten. Häufig sind Sie aus Trümmerschutt der Weltkriege entstanden. Sie enthaltenZiegelschutt, Mörtelreste, Metalle und Hausmüll. Böden aus Kriegsschutt sind typische Böden in vielen Städten Deutschlands. Sie werden häufig als Standort innerstädtischer Parkanlagen genutzt.
Kriegsböden – Kriegsfolgeböden
Die beiden Weltkriege und auch heutige Kriege haben Böden in hohem Maße verändert. Durch Bomben- und Granatenexplosionen wird Bodenmaterial und Ausgangsgestein gemischt und beginnt mit einer neuen Bodenbildung. Häufig enthalten diese Böden Trümmerschutt, Brandspuren, Metallreste und auch chemische Stoffe, die Böden verändern. Nach dem 2. Weltkrieg versuchten die Briten die Insel Helgoland durch flächenhafte Bombardierung weitgehend zu zerstören. Die rote Farbe des Bodens ist durch das Ausgangsgestein – roter Buntsandstein – bedingt. Die wellige Landschaft mit Trichtern und ringförmigen Wällen ist ein Zeugnis der jüngeren Kriegsgeschichte Europas.













