Die bodenbildenden Prozesse der Entkalkung und der anschließenden sekundären Aufkalkung sind typische Prozesse in unserem Klimaraum. Neu entstehende Böden erzählen diese Geschichte.
Wenn gelöster Kalk einem Stofftransport unterliegt und in tieferen Geländepositionen wieder ausgefällt wird, bildet sich Kalksinter. Diese erneute Kristallisation ist ein bodenbildender Prozess. Es entstehen Kalkrheosole, einer neuer Bodentyp der Deutschen Bodensystematik. Die kalkhaltigen Ausfällungen können auch in ursprünglich völlig kalkfreien Gesteinen entstehen und führen dann zu völlig anderen basenreichen Böden, die standortkundlich den Parenrendzinen ähneln.
Am westlichen Hang zur Weser im Raum Höxter überlagern kalkhaltige Gesteine aus der Muschelkalk- und Keuperzeit quarzbetonte Gesteine der Bundsandsteinzeit. Sie werden hangabwärts zur Weser hin entwässert. Ein Teil des kalkhaltigen Hangzugwassers bildet Kalkausfällingen im hohlraumreichen Gesteinsschutt des Buntsandsteins. Der ursprünglich lockere Gesteinsschutz wird durch den Kalk zementiert und entwickelt sich zu einer Brekzie.
Häufig wird Kalk auch in unmittelbarer Nähe von Quellen mit kalkhaltigem Wasser ausgefällt oder reichert sich im nassen Unterboden von Grundwasserböden oder als Kalkschlamm in flachen Seen an. Auch derartige Prozesse erzählen Geschichten, die in Quellenböden, am Uferhang und um Gewässergrund durch besondere Böden sichtbar werden. Hier ist das Beispiel eines Quellennassgleys mit Travertinbildung dargestellt.
Eine kalkhaltige Quelle in der Eifel trifft an einem Wasserfall auf gut belüftete Bedingungen. Moose und andere Pflanzenarten scheiden Kalkkristalle aus. Es bilden sich mächtige Quellkalke (Travertin), die den Wasserfall jährlich um ca. 12 cm wachsen lassen. Dreimühlenwasserfall bei Nohn in der Kalkeifel. Foto: Gerhard Milbert, Kuratorium Boden des Jahres.

