In Gebieten mit nährstoffarmen und mächtigen Moorböden, Gebieten mit durch Eisen verkittenten Unterböden aus Orterde oder Raseneisen wurden mit sehr tiefreichenden Pflügen bis zu 2 m tief gepflügt. Dabei wurde das Bodenmateriel entweder gemischt, die Verkittungen aufgebrochen oder die oberste Bodenschicht nach unten gewendet und begraben. Neben Tiefpflügen wurden auf Moorböden Sandlagen über dem Torf aufgebracht (Sanddeckkultur), Sand mit Torf flach vermischt (Sandmischkultur) oder der komplette Bodenaufbau durch tiefreichend grabende Bagger gewissermaßen auf den Kopf gestellt (Baggerkuhlung). Durch diese Techniken sind neue Böden, Kulturböden, enstanden, die eine landwirtschaftliche Nutzung als Grünlandstandorte und auch als Ackerstandorte in Landschaften mit sehr geringem Ertagspotential möglich machte. Heute werden derartig tiefgreifende Eingriffe in Böden nur selten erlaubt.
Mit einem speziellen Pflug wird der Boden ca. 80 cm tief gepflügt und dabei eine durch Eisenoxide verkittete Bodenschicht aufgebrochen. Der Boden ist nun bis zum Grundwasser durchwurzelbar. Foto: H. Butzke, Geologischer Dienst NRW
Tiefumbruchboden aus Niedermoortorf über sandiger Flussablagerung. Durch das Tiefpflügen wurde die Torflage in Balken schräg gestellt und in den oberen 30 cm durch Bodenbearbeitung mit Sand gleichmäßig vermischt. Foto: Geologischer Dienst NRW
Eine Bodenabfolge mit mächtiger Hochmoortorfdecke wird ‚auf den Kopf gestellt‘. Die Torflage wird etwa 2 m tief begraben und mit urspünglich tiefer lagerndem Sand und Lehm überdeckt. Auf diese Weise wird der Standort ackerfähig, Baggerkuhlung Emsland 2012. Foto: G. Milbert, Kuratorium Boden des Jahres


