Gefährdung & Schutz

Sind unsere Waldböden gefährdet?

  • Seit 5.000 Jahren werden Wälder durch landwirtschaftliche Nutzung und Versiegelung gerodet. Der Anteil der Waldböden in Deutschland geht von > 80 % auf ca. 30 % zurück. Die heutigen Kulturlandschaften als Freilandflächen und Forstflächen sind entstanden.
  • Waldböden werden durch Streunutzung, Plaggenhieb, Waldweide, Köhlerei, überhöhtem Baumeinschlag und Export von Reisig und Schwachholz übernutzt. Durch diesen Export werden Waldböden immer nährstoffärmer und ändern ihre Baumartenzusammensetzung.

    Die früher übliche Streunutzung und der Plaggenhieb werden heute durch Maschineneinsatz ersetzt. Die Humusauflage wird im Nationalpark Maasdünen abgeschoben oder in den Mineralboden eingefräst, um die früher verbreitete Heidelandschaft ereut zu entwickeln. © Gerhard Milbert, Kuratorium Boden des Jahres

     

  • Stoffeinträge seit Beginn der Industrialisierung führen z.B. zur Erhöhung von Kohlendioxid, Schwefeldioxid und Stickstoffverbindungen in der Atmosphäre und in Waldböden. Ursache ist die Verbrennung von Kohle, Gas und Öl und bei Stickstoff die intensive Landwirtschaft. Dies führt zu Überdüngung der Waldböden mit Stickstoff und zur Versauerung und Nährstoffauswaschung aus Waldböden. Der Eintrag von Schwermetallen und organischen Schadstoffen beeinträchtigt den biologischen Zustand der Waldböden und das Wurzelwachstum.
  • Der Klimawandel mit zunehmend milden Wintern und heißen Sommern sowie extremen Wetterereignissen wie Starkregen, Sturm und Trockenstress belastet Wälder und Waldböden sehr. Waldbäume werden gestresst und krankheitsanfälliger. Damit ändern sich bisher als stabil angesehene Standorteigenschaften der Wälder zunehmend. Die Wasserspeicherfähigkeit der Waldböden gewinnt für den Waldbau enorm an Bedeutung. Auf flachgründigen Waldböden in den Mittelgebirgen Deutschlands sowie in Gebieten mit niedrigen Sommerniederschlägen (z.B. Bereiche mit Sandböden in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen, in der Pfalz) stirbt die Fichte großflächig ab. Waldbrände haben im letzten Jahrzehnt spürbar zugenommen. Der Waldzustandsbericht (2022) belegt, dass etwa 80 % der Bäume in Deutschland geschädigt sind.

  • Auf flachgründigen Böden wie hier im Nationalpark Harz sind die Fichtenbestände in Mittelgebirgslagen durch Trockenstress geschwächt und anschließend von Borkenkäferarten befallen worden. Mit Ausnahme von Kleinflächen mit jungen Fichten sind die Bestände vollständig abgestorben. © Jan Evers

    Aufgrund der langen Trockenzeiten und des starken Borkenkäferbefalls im Arnsberger Wald, sterben derzeit viele Fichten ab. Die Detailaufnahme zeigt eine abgestorbene Fichte mit abgeplatzter Borke und Borkenkäfern. © St. Wanke, Geologischer Dienst NRW

Während der letzten 10 Jahre ist die Waldbrandgefahr durch sehr trockene Sommer deutlich gestiegen, Nationalpark Maasdünen. © Gerhard Milbert, Kuratorium Boden des Jahres

  • Orkane, wie Kyrill im Jahr 2007, führen zu großflächigem Windwurf, vor allem bei den flach wurzelnden Fichten aber auch bei Laubbaumarten, Schadensfläche im Sauerland bei Schmallenberg . © U. Koch, Geologischer Dienst NRW

  • Durch den unsachgemäßen Einsatz von Holzernte und Holztransportmaschinen werden die sehr lockeren Waldböden auf Rückegassen oder flächig gequetscht und verdichtet. Eine Verminderung der Grobporen ist die Folge. Die Sauerstoffversorgung der Wurzeln wird eingeschränkt und die Wasserzügigkeit und Speicherfähigkeit der Böden verringert. Häufig vernässen verdichtete Böden.
  • Das Befahren feuchter Böden mit schweren Maschinen und geringen Auflastflächen führt zum Zerquetschen und Verdichten der lockeren Waldböden. © St. Schulte-Kellinghaus, Geologischer Dienst NRW

Wie können wir Waldschäden verringern oder vermeiden?

  • Das Bundeswaldgesetz unterbindet einen weiteren Rückgang der Waldflächen. Zurzeit nimmt der Waldflächenanteil leicht zu. Das schützt Waldböden.
  • Wälder werden zunehmend nachhaltig genutzt. Es wird nicht mehr Holz geerntet als nachwachsen kann. Die Nutzung von Streu und Reisig wurde inzwischen weitgehend eingestellt. So wird der Nährstoffkreislauf zwischen der aufwachsenden Biomasse und den Waldböden wieder naturnäher. Die Waldböden speichern wieder mehr Kohlenstoff.
  • Der Eintrag von stark versauerndem Schwefeldioxid aus Kraftwerken und thermischen Industrieanlagen wurde durch Schwefelwäsche weitgehend reduziert. Die Versauerung der Waldböden könnte so stark verlangsamt bis verhindert werden. Bodenschutzkalkungen mit gemahlenem Dolomit (Kalzium-Magnesium-Karbonat) hat zur Erhöhung der pH-Werte geführt. Nach wie vor ist jedoch der Gehalt an Stickstoffverbindungen in der Atmosphäre für Wälder und Waldböden noch viel zu hoch. Ursache sind die intensive Landwirtschaft und die Verbrennung von Öl, Kohle und Gas im Luft- und Schiff- und Straßenverkehr und der Industrie.

Bodenschutzkalkungen auf versauerten und nährstoffarmen Waldböden verringern den Säuregrad im Oberboden und fördern die Humifizierung und Mineralisierung in der Streuauflage.
© R. Janßen, Geologischer Dienst NRW

  • Der Klimawandel muss weltweit radikal verlangsamt bis gestoppt werden. Parallel dazu müssen im Waldbau die Standorteigenschaften der Waldböden (Wasserhaushalt und Nährstoffhaushalt) stärker berücksichtigt werden. Der Anbau klimastabilerer Laubmischwälder gewinnt an Bedeutung und wird verstärkt berücksichtigt.

Nach dem Zusammenbruch der Fichtenforste durch Trockenstress und Käferbefall werden klimastabilere Laubmischwälder mit Esskastanie, Elsbeere, Roteiche und heimischen Laubbaumarten auf den Kahlflächen gepflanzt. © Jan Evers

 

  • Moderne leistungsfähige Technik in der Holzernte kann bodenschonend und behutsam eingesetzt werden. Durch den hohen Kostendruck verleitet sie aber auch dazu, ohne Rücksicht auf den Zustand der Waldböden diese zu befahren und zu schädigen. Der schonende Einsatz der Forsttechnik zum richtigen Zeitpunkt ist heute ein wichtiges Ziel in der Ausbildung der Forstwirte und Förster.

Durch vier- und mehrachsige Holzerntemaschinen mit breiten Reifen oder Raupenfahrwerken wird der Bodendruck vermindert und der lockere Waldboden geschont. © U. Koch, Geologischer Dienst NRW

Rückegasse mit Reisigmatten
© M. Dworschak, Geologischer Dienst NRW